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Die beste Grundig Farbfernsehserie ("made for you") aus der Bildröhrenära

 

Die Grundig TV "made for you"-Serie hatte Features wie 100 Hz, 16:9, PALplus, Satellitenempfang, Bild-im-Bild, Dolby Surround, VGA ...

 

Grundig Monolith 16:9 1080

Grundig Fernseher M82-269 Reference bei dem, wie bei allen Geräten der "made for you"-Serie, alle Schwachstellen des PAL Farbfernsehsystems beseitigt wurden.

Bei der Vorgängerserie, dem Grundig TV M72-215 Reference, wurden schon alle störenden, systembedingten Schwachstellen des 1967 eingeführten PAL Systems empfängerseitig beseitigt wie:

- Großflächenflimmern
- Zeilenflimmern
- Cross Color
- Cross Luminanz

Auf Grund dessen trug er die Bezeichnung "Reference" zu Recht.

Hier soll aber die Nachfolgerserie am Beispiel des M72-410 Reference beschrieben werden, der die gleiche Performance aufwies aber noch mehr Features bot. Er war mit dem Digital VI Chassis ausgestattet. Dieses Konzept ermöglichte auch PALplus 16:9 Geräte und war für alle gängigen 4:3 und 16:9 Großbildformate geeignet (siehe Grundig Presseinformation 61 / 1997 im Folgenden).

 M72 410 Reference Das beste Farbfernsehgerät von Grundig

Abb. 1: Das Grundig Fernsehlabor entwickelte 1996/1997 das Digital VI Chassiskonzept mit dem wie beim M72-215 Reference alle Schwachstellen des PAL Farbfernsehsehsystems empfängerseitig beseitigt werden konnten. Das Foto zeigt den M72-410 Reference, der mit dem Chassis Digital VI ausgestattet war. 
 
Bei Grundig lief 1997 die Serienproduktion der „made for you“-Serie, der sechsten Generation (Digital VI) der 100 Hz Fernsehgeräte, an.
 
 
Grundig 100 Hz Innovationen Reference Technik
 
Abb. 2: Abb. 2 zeigt die Grundig 100 Hz-Innovationen von 1987 an. Der M72-215 Reference wurde nur mit 72 cm Bildröhre gebaut. Das Nachfolgechassis konnte für alle gängigen Großbildformate eingesetzt werden und hatte noch einige Features mehr (siehe Grundig Presseinformation 61 / 1997 im Text).
 

Schon das weltweit erste 100 Hz Farbfernsehgerät in Serienproduktion von Grundig hatte ja dank eines Halbbildspeichers und der 100 Hz-Technik kein Großflächenflimmern mehr. In den Geräten der Grundig "made for you"-Serie (Digital VI), also auch im M72-410 Reference, sorgte nun ein digitales Kammfilter im digitalen Videoprocessing für die Eliminierung der Cross Color und Cross Luminanz Störung (Beschreibung dieser Artefakte siehe "Das weltweit erste flimmerfreie TV-Seriengerät").
Die letzte verbleibende Schwachstelle des PAL/CCIR sowie des SECAM TV-Standards war das Zwischenzeilenflimmern (auch mit Kantenflackern bezeichnet). Dieser Artefakt wurde nun in den Geräten der Grundig "made for you"-Serie (Digital VI) beseitigt, was einen erheblichen Aufwand und clevere Signalverarbeitungsalgorithmen erforderte.

Bei Einführung des elektronischen Fernsehens mit 625 Zeilen und 25 Vollbildern pro Sekunde nach dem zweiten Weltkrieg wurde festgelegt das Zeilensprungverfahren zu verwenden. Dabei werden zunächst die ungeraden Zeilen eines Vollbildes also Zeile 1, 3, 5, 7 usw. bis Zeile 625 übertragen und danach die geraden Zeilen dieses Vollbildes also 2, 4, 6, 8 und so fort bis Zeile 624. Ein Vorteil dabei ist, dass dadurch zwei Halbbilder entstehen (A und B) mit jeweils nur 20 msec Dauer und sich dadurch eine Bildfrequenz von 50 Hz ergibt und damit das Großflächenflimmern stark verringert werden konnte als wenn Vollbilder mit 25 Hz Bildfrequenz übertragen worden wären. Ein Übertragen des kompletten 625 Zeilenvollbildes mit einer Vollbildfrequenz von 50 Hz hätte natürlich auch das Großflächenflimmern reduziert aber die doppelte Übertragungsbandbreite erfordert.
Da nun aber bei diesem Zeilensprungverfahren benachbarte Zeilen ja aus verschiedenen Halbbildern stammen tritt an horizontale Kanten des Fernsehbildes eine Flackererscheinung von 25 Hz auf. So springt z.B. bei einer Tennisübertragung die Kante der Grundlinie in diesem 25 Hz-Rhythmus. Um diese Störung zu beseitigen benötigte man einen Bildspeicher der beide Halbbilder, also alle 625 Zeilen eines Vollbildes abspeichern konnte.
Damit war es dann möglich das Vollbild nicht wie bisher nur in Halbbildwiederholung AABB, sondern auch in der Sequenz ABAB mit einer verdoppelten Zeilensprungsequenz wiederzugeben. Bezüglich der Synchronisation des Rasters spricht man von αβαβ anstatt wie bisher bei 100 Hz-Geräten mit nur einem Halbbildpeicher ααββ (alpha, beta). Damit konnte man bei Fernsehbildern mit keinem oder nur sehr geringem Bewegungsanteil das Zeilenflimmern komplett eliminieren.
Bei bewegten Objekten oder Kamerabewegungen (z.B. Schwenk) führte dieses einfache Verfahren aber zu Störungen an senkrechten Kanten (Auszahnen), weil ein Rücksprung in alte Bewegungsphasen erfolgte. Deswegen war ein Bewegungsdetektor erforderlich, der durch blockweisen Bildvergleich den Grad von Bewegungen im Fernsehbild feststellen konnte. Bei einer mittleren Bewegung wurden mittels einer Rechenvorschrift (Algorithmus) dann die Bildpunkte von benachbarten Zeilen so korrigiert, dass dies das Zwischenzeilenflimmern beseitigte.
Bei Grundig wurde ein Verfahren eingesetzt, dass auf dem Algorithmus von Prof. Dr. Schröder (Universität Dortmund) der für Grundig patentiert wurde, aufsetzte. Dabei wird das digitale Fernsehsignal in den vertikalen Höhen- und Tiefenanteil aufgespaltet und unterschiedlich prozessiert. Wurde vom Bewegungsdetektor sehr starke Bewegung signalisiert ging das System automatisch in den Rückfallmodus AABB mit der Rastersequenz ααββ (alpha, beta).

Bei Kinofilmen die ja mit 24 Bildern pro Sekunde gedreht werden und im Fernsehen mit 25 Vollbildern wiedergegeben werden sind die beiden Halbbilder A und B bezüglich der Bewegungsphase identisch. Also konnte man generell das Verfahren ABAB mit der Rastersequenz αβαβ ohne Umschaltung auf „Schröder Algorithmus“ oder Rückfallmodus verwenden. Firma Siemens Halbleiter setzte mit der Unterstützung der Grundig Fernsehentwicklung dieses Verfahren in einen digitalen CMOS-Signalprozessor um. Er wurde als Fieldmixer (SDA 9270) bezeichnet.


Abb. 3 zeigt die Speicherplatte eines 100 Hz Seriengerätes der Serie Digital VI z.B. Grundig M72-410 Reference. Es sind die sechs Speicherbausteine SDA 9251 mit je 212k x 4 Bit, die den Videovollbildspeicher mit rund 5 Megabit bilden, zu sehen.
Links unten ist der Fieldmixer SDA 9270, oben rechts der Picture Prozessor SDA 9290 und oben links der Displayprozessor SDA 9280 angeordnet.

 

 4 Abb11

Abb. 3: Speicherplatte eines 100 Hz Seriengerätes der Serie Digital VI z.B. M72-410 Reference. Es sind die sechs Speicherbausteine SDA 9251 mit je 212k x 4 Bit Speicherkapazität, die den Videovollbildspeicher mit rund 5 Megabit bilden. Links unten der Fieldmixer SDA 9270. Oben rechts der Picture Prozessor SDA 9290. Oben links der Displayprozessor SDA 9280.

Die zweite Weiterentwicklung der Digital VI 100 Hz Geräteserie betraf die Erweiterung um einen VGA Eingang. Inzwischen hatte sich das Internet etabliert und ein großformatiges Fernsehgerät als Monitor für einen PC verwenden zu können stellte ein sehr gutes Gerätefeature dar. Da die Grundig 100 Hz-Geräte ja mit Zeilenablenkfrequenzen von 31,25 kHz liefen, die RGB-Endstufen für die 100 Hz Wiedergabe auf die doppelte Videobandbreite ausgelegt waren (10 MHz anstatt 5 MHz) und eine gleichstromgekoppelte Vertikalablenkung zum Einsatz kam war die Einführung eines VGA-Standard-Eingangs möglich. Dazu war ein VGA-Steckmodul entwickelt worden, das in jedes Gerät der Digital VI Geräteserie nachgerüstet werden konnte. Schon zur Internationalen Funkausstellung 1997 hatte das Heinrich Herz Institut zwei Grundig M 95-410/9 Reference Digital VI als 100 Hz-Monitore mit Shutterbrillen zur Präsentation ihrer 3D-Forschungen benutzt.

Die Grundig Presseinformation Nr. 61/1997 fasste die Gerätefeatures wie folgt zusammen:

„In allen Großbildklassen bietet Grundig „made for you“-Fernsehgeräte. Neben gesteigertem TV-Genuß mit bestem Bild in flimmerfreier 100 Hz-Reference-Technik gibt es für die „made for you“-TV Geräte eine große Vielfalt an Ausstattungsvarianten. Das Produktkonzept erlaubt die individuelle Ausrüstung der Geräte mit einer VGA-Schnittstelle, einem Satelliten-TV-Receiver sowie Dolby Surround und Bild-im-Bild-Modulen.

Die Grundig TV „made for you“-Serie beinhaltet folgende Geräte:

M 95-410 Reference
M 72-410 Reference
M 72-410 Reference/PiP (Bild im Bild)
M 82-269 Reference
M 70-269 Reference
M 82-269 PALplus
MW 70-269 PALplus

Das Gerät wird vom Fachhandel nach Kundenwunsch maßgeschneidert ausgestattet, soweit die einzelnen Komponenten nicht serienmäßig eingebaut sind.

Und die Testzeitschrift "video" hat in ihrer Nr. 6 / 1997 den Grundig M72-410 Reference getestet und schreibt: „Der Nachfolger des bisher besten 70 Zentimeter-TV, den video je getestet hat (Anmerkung des Autors: Der Grundig M72-215 Reference) ist der M72-410 Reference. Für 2700 Mark bekommt der Käufer mithin einen 100-Hertz-Fernseher, in dessen Innenleben eine scharfe 72-Zentimeter-Toshiba-Bildröhre ihre Dienste versieht. Über diese zeichnet der Stammhalter ein brillantes Bild auf die Mattscheibe, das eine höhere Auflösung zeigte als das eines Profi-Monitors. Besonders Landschaftsaufnahmen mit sattem Grün und warmen Brauntönen wirkten plastisch und brillant. Schrillbunte Studiokulissen parierte er ebenso mühelos. Dabei brachten ihn dank Reference-Schaltung auch keine Schwenks aus dem Tritt, die normalerweise 100-Hz-Fernseher zum Bildruckeln verleiten.“

Und in der video Bestenliste (Nr. 6 / 1997) nahm der Grundig M72-410 Reference in der Sparte beste TV-Geräte mit 70-Zentimeter-Röhre den ersten Platz ein. Der Grundig M82-169 PALplus, mit dem gleichen Digital VI Chassiskonzept, konnte sich in der Sparte 16:9-Geräte mit Dolby Surround ebenfalls den ersten Platz erobern.

Literaturverzeichnis

Maul, K.; Müller, G.: TV-Bild ohne Flimmern, Weltweit erstes 100 Hz TV-Gerät in Serienproduktion, Funkschau Heft 14, 1987
 

Copyright: Dipl.-Ing. (FH) Konrad L. Maul, Certified Counsellor

Der Autor, Konrad L. Maul, war 37 Jahre in der Fernsehentwicklung tätig, davon 30 Jahre in leitender Position. Als Gruppenleiter war er für das erste Grundig 100 Hertz-TV-Gerät verantwortlich. Von 2001 bis 2008 leitete er die Fernsehentwicklung der Grundig AG und in der Nachfolge der Grundig Intermedia AG.
Heute arbeitet er als Berater für Einzelne, Gruppen und Organisationen in technischen, wirtschaftlichen und sozialen Handlungsfeldern.

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